Rechtsstaatliche Unabhängigkeit sichern – Umgehung des Fremdbesitzverbots beenden
Resolution der 112. Bundeskammerversammlung
Rechtsstaatliche Unabhängigkeit sichern – Umgehung des Fremdbesitzverbots
beenden
An die Bundesregierung
Die Bundeskammerversammlung der BStBK fordert die Bundesregierung auf, im Neunten
Steuerberatungsänderungsgesetz (9. StBÄndG) die Umgehung des Fremdbesitzverbots
durch ausländische Wirtschaftsprüfungsgesellschaften eindeutig und rechtssicher
auszuschließen.
Steuerberaterinnen und Steuerberater sind Organ der Steuerrechtspflege, wie auch die
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte Organ der Rechtspflege sind. Der Berufsstand steht
für Unabhängigkeit, Verschwiegenheit und Gewissenhaftigkeit. Er hat schon immer gezeigt,
dass auf ihn auch in schweren Krisen (wie in der Corona-Pandemie) Verlass ist. Zudem ist er
eine wichtige Stütze für den Mittelstand – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
Doch all dies ist durch die Reform des Berufsrechts der Berufsausübungsgesellschaften im
Jahr 2022 gefährdet. Denn weil in einigen Ländern Finanzinvestoren
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwerben können, wollen sie auch über solche Strukturen
mittelbar Einfluss auf deutsche steuerberatende Berufsausübungs- bzw.
Steuerberatungsgesellschaften nehmen.
Das steht im Gegensatz zur berufsrechtlichen Grundentscheidung des Gesetzgebers aus
dem Jahr 2022, das Fremdbesitzverbot zu erhalten, und birgt erhebliche Risiken für
Unabhängigkeit, Verbraucher- und Mandantenschutz sowie die Funktionsfähigkeit der
Steuerrechtspflege.
Berlin, 23. September 2025
